Andreas Allenbach: 20 Prozent Talent müssen da sein, sonst reicht es nicht. Aber am Ende zählt vor allem, was jemand daraus macht. Der erfolgreichste Schweizer Abfahrer Peter Müller galt als nicht sehr talentiert und wurde trotzdem Weltmeister. Marco Odermatt hingegen hat sehr viel Talent und fährt trotzdem selten einen Lauf ganz ohne Fehler. Entscheidend ist, was dann passiert: Wer nach einem Fehler den Bettel hinwirft, hat verloren, wer sich zusammenrafft, macht den Fehler nur halb so tragisch. Genau das sehe ich auch bei den Top-Nationen an den WorldSkills: Wenn bei den Chinesinnen und Chinesen etwas schiefgeht, verziehen sie keine Miene und ziehen die Sache diszipliniert durch. Diese Beharrlichkeit wünsche ich mir auch für uns.
In der Schweiz ist das ein einziger Beruf, der CNC-Drehen, CNC-Fräsen und die Instandhaltung, auf Englisch Industrial Mechanics, unter einem Dach vereint. Genau da unterscheidet sich die Schweiz zum ersten Mal von der Welt: In Deutschland, das eine ähnliche Berufsbildung hat wie wir, ist das schon anders. Dort sind diese drei Bereiche auf unterschiedliche Berufe aufgeteilt, wer dort CNC-Drehen gelernt hat, kann nicht fräsen. Das ist für uns unvorstellbar. Der grosse Vorteil der Schweiz ist, dass man in der Lehre zuerst breit die Grundlagen lernt und sich erst danach spezialisiert, im Betrieb, nicht schon in der Ausbildung. Für die Swiss- und WorldSkills heisst das aber, dass man sich entscheiden muss, in welcher dieser drei Kategorien man antritt.
Meine Rolle wechselt dreimal. Bis zu den SwissSkills bin ich Projektleiter, verantwortlich für die ganze Ausscheidung, und bewerte an der Meisterschaft selbst auch die Arbeit der Berufstalente. Steht der Weg an die WorldSkills fest, werde ich zum Coach. Konkret begleite ich aktuell Björn Ulrich und arbeite mit ihm den Trainingsplan durch. An den WorldSkills selbst wechsle ich noch einmal, jetzt ins internationale Bewertungsteam. Mit Björn selbst darf ich dort dann fast nicht mehr sprechen, nur 15 Minuten am Tag, sonst haben die anderen Experten das Gefühl, es komme zu einer Bevorteilung. Am Wettkampftag muss er für sich allein bestehen.
Diese Exzellenz passiert jeden Tag, in allen Betrieben der Schweiz. Nur sieht sie kaum jemand. Die WorldSkills sind eine wichtige internationale Plattform, aber für die Schweiz sind die SwissSkills zentraler. Dort bekommen zehntausende Jugendliche und ihre Eltern einen direkten Einblick in die Berufsbildung und erleben live, was Exzellenz heisst. Wenn Jugendliche ihr eigenes Roboterli oder Lämpchen bauen, springt das Feuer über und macht Lust für eine Lehre. Wer dabei kein Strahlen in den Augen hat, für den ist vielleicht das Studium der bessere Weg. Meines Erachtens ist eine Berufslehre zum Start ins Berufsleben aber klar der beste Weg. Anschliessend stehen in der Schweiz alle Wege offen, man muss nur wollen! Genauso wichtig ist mir, dass Betriebe, die etablierte Strukturen haben, auch tatsächlich ausbilden. Bei uns waren die ersten Jahre hart, einen Lehrling hätten wir damals nicht ausbilden können. Aber sobald ein Betrieb etabliert ist, nach drei, vier Jahren etwa, lege ich es allen Unternehmen ans Herz, schafft Ausbildungsplätze! Je mehr wir ausbilden, desto mehr Fachkräfte haben wir am Ende. Für unseren Wohlstand sind wir als Schweiz
darauf angewiesen.