Am 27. September 2026 entscheidet das Berner Stimmvolk über die Berner Bildungsinitiative. Die Gewerbekammer von Berner KMU hat dazu die Nein-Parole gefasst. Ein Rückblick auf die Gründe und ein Ausblick, was es aus Sicht der Wirtschaft wirklich braucht.
Die Initiative will eine hohe Bildungsqualität als Auftrag in der Kantonsverfassung verankern. Kanton und Gemeinden sollen künftig dafür sorgen, dass die Bildung flächendeckend hohe Qualität hat und genügend qualifizierte Lehrpersonen zur Verfügung stehen. Die Initiative ist bewusst offen formuliert, wie das konkret umgesetzt werden soll.
Ein Verfassungsartikel bildet keine einzige Lehrperson aus und schafft keine zusätzliche Stelle. Was den Schulen wirklich hilft, sind mehr Ausbildungsplätze, ein guter Einstieg in den Lehrberuf und attraktive Arbeitsbedingungen. Offen bleibt zudem, was «hohe Bildungsqualität» konkret bedeutet und was ihre Umsetzung kostet. Diese Fragen müsste der Grosse Rat erst nachträglich klären. Bildung ist zudem bereits heute als staatliche Aufgabe in der Verfassung verankert. Ein zusätzlicher Artikel intensiviert diesen Auftrag, ohne im Klassenzimmer etwas zu verändern. Entscheide über Personal, Angebote und Mittel gehören ins Gesetz und ins Budget, wo sie überprüft und angepasst werden können.
Als Ausbildungsbetriebe sind KMU auf gute Grundkompetenzen angewiesen: Lesen, Schreiben, Rechnen. Die neuste PISA-Studie zeigt, dass genau diese Kompetenzen in den letzten Jahren gelitten haben. Für Lehrbetriebe bedeutet das Mehraufwand. Wer Lernende zuerst ausbildungsfähig machen muss, hat weniger Zeit, sie zu Fachleuten von morgen zu entwickeln. Ein Verfassungsauftrag löst das nicht. Was es braucht, sind konkrete Massnahmen dort, wo Bildung tatsächlich stattfindet, im Klassenzimmer, mit Fokus auf die Grundkompetenzen, die junge Menschen fit für die Arbeitswelt machen.