Mit Hunger, Entspanntheit und Konzentration an die WorldSkills 2026

Wenn am 22. September 2026 die WorldSkills in Shanghai beginnen, ist das für die jungen Berufstalente der Höhepunkt einer intensiven Vorbereitung. Berner KMU hat drei der dreizehn Teilnehmenden aus dem Kanton Bern porträtiert. Gilles Glauser, Björn Ulrich und Kilian Moser zeigen, was die Berner Berufsbildung ausmacht.

Björn Ulrich, Gilgen Door Systems AG

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Björn Ulrich, Industrial Mechanics, Polymechaniker EFZ, WorldSkills 2026. © Stefan Wermuth

Beim Bohren ging am Anfang seiner praktischen Abschlussprüfung bei Björn Ulrich etwas schief. Andere Lehrlinge wären in diesem Moment fast verzweifelt. Ulrich blieb ruhig und suchte weiter nach einer Lösung.

«Diese Ruhe macht Björn aus. Er ist einfach cool.» Sagt sein Ausbildner Niklaus Gilgen. Diese Gelassenheit hat sich Björn nicht antrainiert. Sie war von Anfang an da.

Björn Ulrich, 20 Jahre alt, arbeitet als Polymechaniker bei Gilgen Door Systems AG in Schwarzenburg und wurde 2025 Schweizermeister im Skill Industrial Mechanics. Sein Ausbildner sagt, Björn sei zu Beginn der Lehre ein ganz normaler 16-Jähriger gewesen, keiner, der von Anfang an die Schweizer Meisterschaft im Blick hatte. Die Lust auf mehr kam erst mit der Zeit.

In Shanghai tritt Ulrich im Skill Industrial Mechanics an. Die Aufgabe besteht aus vier Modulen, die aufeinander aufbauen. Er schweisst, dreht und fräst, richtet Wellen mit dem Laser aus und zeichnet am Schluss ein pneumatisches Schema. Nach jedem Schritt muss er die Arbeit dokumentieren und als PDF-Bericht abspeichern, eine Anforderung, die es in der Schweizer Lehre so nicht gibt.

Schweissen gehört nicht zur Lehre als Polymechaniker, für Shanghai muss Björn es trotzdem beherrschen. Ganze Tage steht er darum in der Werkstatt und schweisst einfaches Blech zusammen, Naht um Naht, bis die Bewegung sitzt. «Ich merke, dass mir hier noch die Routine fehlt. Deswegen trainiere ich es umso mehr», sagt er. Seit einem halben Jahr ist er dafür fix aus dem Lehrlingsprogramm herausgenommen worden und trainiert bei Niklaus Gilgen in der Lehrlingswerkstatt, mit Aufenthalten in Schweden und Österreich. Gegen die chinesische Konkurrenz, die seit mehreren Jahren täglich für die WorldSkills trainiert, bleibt das trotzdem ein Wettlauf mit der Zeit.

Gilgen Door Systems AG ist mit über 50 Prozent Marktanteil die Nummer eins bei automatischen Türen in der Schweiz. Am Hauptsitz in Schwarzenburg arbeiten rund 400 Personen, 40 davon in Ausbildung. Für Niklaus Gilgen zählt vor allem die Vorbereitung. «Wenn man sich gut vorbereitet und alles gibt, was man hat, dann ist das Resultat eigentlich zweitrangig», sagt er.

Verändert hat der Titel bei Björn vor allem den eigenen Ehrgeiz. Als er bei der Rangverkündigung an den SwissSkills ganz oben auf dem Podest stand, wollte er mehr. Was bleibt, ist die Aussicht auf Shanghai und die Frage, ob seine Ruhe auch dort hält, wenn es wirklich zählt.

Gilles Glauser, Carrosserie G&G AG

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Gilles Glauser, Autobody Repair, Carrossierspengler EFZ, WorldSkills 2026. © Ruben Sprich

«Verdammt langweilig», sagte Gilles Glauser seiner Mutter im Sommer nach der Abschlussprüfung. Die Lehre war abgeschlossen, doch ein neues Ziel fehlte ihm. Ohne etwas, worauf er hinarbeiten kann, wurde es ihm langweilig. Mit einem Ziel wie den WorldSkills dagegen kam der Hunger.

Glauser, 22 Jahre alt, arbeitet als Carrosseriespengler bei der Carrosserie G&G AG in Niederwangen und holte 2025 den Schweizermeistertitel. In der Volksschule war er ein Vierer-Schüler, der gerne mit den Lehrern diskutierte. In der Berufsschule schrieb er Bestnoten. Den Unterschied machte für ihn der Wille zu lernen.

An der Diplomprüfung, der Vorselektion für die SwissSkills, rechnete er fest mit dem Sieg. Er verlor gegen einen Konkurrenten, der vier Monate lang fast nur noch trainiert hatte. «Er war besser als ich», sagt Gilles heute. Über sich selbst sagt er: «Ich war zu arrogant.» Seither gilt bei ihm eine einfache Regel. Ein Fehler ist ein Fehler, der zweite entsteht meist nur aus dem Ärger über den ersten. Wie das im Alltag aussieht, zeigt ein gewöhnlicher Samstag. Die Werkstatt ist leer, niemand sonst ist da. Gilles nimmt eine Seitenwand heraus und setzt eine neue ein, für sich allein, als Training. Nebenbei hat er an einem BMW mit eingedrückter Seitenwand eine Klebetechnik mit Heissleim entwickelt. Statt das Ersatzteil für 2’500 Franken zu bestellen und sechzehn Stunden zu verrechnen, ist er in acht Stunden fertig. Dieses Wissen gibt er im Team weiter.

«Ich werde nie ein stinknormaler Carrosseriespengler sein.»

In Shanghai tritt Gilles im Skill Autobody Repair an. Was auf ihn zukommt, erfährt er erst einen Tag vorher. Dann muss er vielleicht Längsträger ersetzen, eine Federbeinaufnahme aus- und einschweissen oder eine Seitenwand wechseln. Das ist Strukturarbeit, für die ein Auto in der Schweiz oft gar nicht mehr repariert wird.

Dass er dafür intensiv trainieren kann, verdankt er auch seinem Chef Urs Boss, der ihm rund 40 Trainingstage bei vollem Lohn ermöglicht. Zwei Schweizermeister und vier Bernermeister im Skill Carosseriespengler sind bisher aus dessen Werkstatt hervorgegangen. Boss gibt ihm die Zeit, aber auch den nötigen Tritt, wenn es nötig ist. Betriebe, die über fehlende Fachkräfte klagen, aber selbst nicht ausbilden, hören von ihm deutliche Worte: «Hört auf zu jammern und bildet aus.» Schon im ersten Lehrjahr informiert die Berufsschule über die Berufswettbewerbe. Heute ist es Gilles, der davon den neuen Lehrlingen erzählt.

Nach Shanghai stellt sich für ihn die Frage, worauf er als Nächstes hinarbeiten kann. Vielleicht wird er Werkstattchef oder Ausbildner, irgendwann macht er die Meisterprüfung.

Kilian Moser, Schild Elektro AG

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Kilian Moser, Electrical Installations, Elektroinstallateur EFZ, WorldSkills 2026. © Stefan Wermuth

Wenn Kilian Moser in der Werkstatt steht, ist er in der Werkstatt, sonst nichts. «Wenn ich am büetze bin, bin ich voll hier. Wenn ich trainiere, bin ich voll da. Dann ist mir egal, was nebenan passiert.» Die Mails aus dem Betrieb schaut er während des Trainings gar nicht erst an.

Moser, 21 Jahre alt, arbeitet als Elektroinstallateur bei der Schild Elektro AG und holte 2025 den Schweizermeistertitel im Skill Electrical Installations. Auf die Frage, woher sein Ehrgeiz kommt, braucht er keine grosse Antwort.

«Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig.»

Den Schweizermeistertitel holte er sich mitten im Militärdienst. Zwischen den Diensttagen fuhr er an die SwissSkills, arbeitete konzentriert durch und gewann. Zur internationalen Konkurrenz, die teils seit Jahren gezielt auf die WorldSkills hintrainiert, macht er sich keine Gedanken. «Ich mache einfach das, was ich kann. Danach sehen wir, wie das herauskommt.»

In Shanghai wird Kilian innert kürzester Zeit eine komplette elektrische Anlage aufbauen, von der Hauptverteilung über die Lichtinstallation bis zur E-Mobilität. Programmiert werden die Geräte direkt am Laptop, über Internetprotokoll verbunden. Die grösste Schwierigkeit ist die Zeit. Wie viel Aufwand investiert er in die Qualität, wie viel in die Geschwindigkeit. Das ist auch einer der grössten Unterschiede zum Betriebsalltag. Dort kann für die richtige Qualität auch etwas mehr Zeit verwendet werden. Handwerklich verlangt der Wettkampf mehr als seine Lehre, etwa Rohre biegen und Kanäle auf Gehrung schneiden, wo der Schweizer Alltag fertige Formstücke kennt.

In Grindelwald weiss kaum jemand vom Erfolg von Kilian Moser. Sein früherer Ausbildner und Chef Karl Wyss sagt, würde man ein paar Einheimische fragen, ob sie den Schweizermeister Kilian Moser kennen, wissen sie zwar, wer er ist. Die wenigsten wüssten aber, dass er bald an die Weltmeisterschaften geht. Moser selbst stört das nicht. «Die, die es wissen, wissen es», sagt er, mehr braucht er nicht. Möglich wird sein Training bei der Schild Elektro AG, 26 Mitarbeitende, davon vier Lernende, in Brienz und Grindelwald zuhause. Spezialisiert ist der Betrieb bewusst nicht. «Wir machen wirklich alles, von der kleinsten Installation bis zu grossen Industrieanlagen», sagt Wyss. Der Betrieb gibt ihm dafür vor allem Zeit, ohne dass er dafür Ferien einsetzen oder auf Lohn verzichten muss. «Wenn da niemand wäre, der das unterstützt, hättest du sicher nicht so Freude daran», so Karl Wyss.

Auf ein Resultat legt sich Kilian für Shanghai nicht fest. «Mein Ziel ist einfach, an diesen Tagen 120 Prozent zu liefern.» Der Rest, sagt er, ergibt sich von selbst.

Das Berner Team an den WorldSkills 2026

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Bern inkl. Freiburg (Jara Galli, Gilles Glauser, Marine Känzig, Kilian Moser, Luca Wissler, Melina Reusser, Linus Moser, Lisa Maibach, Luna Schaller, Matthias Steiner, Björn Ulrich, Luisa Kunz, Silvan Reichen, William Wigginton) – WorldSkills 2026. © Manu Friederich

Jara Galli, Aefligen, Kosmetikerin EFZ, Skill Beauty Therapy
Gilles Glauser, Albligen, Carrosseriespengler EFZ, Skill Autobody Repair
Kilian Moser, Grindelwald, Elektroinstallateur EFZ, Skill Electrical Installations
Marine Känzig, Court, Coiffeuse EFZ, Skill Hairdressing
Luisa Kunz, Langenthal, Bekleidungsgestalterin EFZ, Skill Fashion Technology
Lisa Maibach, Seedorf, Fachfrau Gesundheit EFZ, Skill Health and Social Care
Linus Moser, Thun, Informatiker EFZ, Skill Cloud Computing
Silvan Reichen, Frutigen, Schreiner EFZ, Skill Cabinetmaking
Melina Reusser, Thun, Restaurantfachfrau EFZ, Skill Restaurant Service
Luna Schaller, Dotzigen, Gipserin / Trockenbauerin EFZ, Skill Plastering and Drywall Systems
Matthias Steiner, Lyssach, Sanitärinstallateur EFZ, Skill Plumbing and Heating
Björn Ulrich, Rüschegg-Gambach, Polymechaniker EFZ, Skill Industrial Mechanics
Luca Wissler, Oey, Zimmermann EFZ, Skill Carpentry